Aktionswoche Alkohol 2022 – Tag 1 – Trink-Regeln und Gesetze

Trink-Regeln und Gesetze in unserer Kultur, deren Richtigkeit in Frage zu stellen sind. Menschen, die keinen Alkohol trinken gehören zu einer Minderheit: Nur 16% der deutschen Bevölkerung trinkt keinen Alkohol. Und durch die Regeln, die bei uns gelten ist es leider noch immer außergewöhnlich keinen Alkohol zu trinken. Im Video „Untergang der Titanic“ der Seite „Lieber schlau als blau“ wird der Umgang mit Alkohol sehr anschaulich erläutert.

[Ironiemodus ein] Nachfolgend einige Regeln und Gesetze zum Trinken. Fakt ist: die Regeln können problemlos eingehalten werden! [Ironiemodus aus]

Diese Regeln kennen schon dreijährige Kinder:

Erwachsene trinken Alkohol, Kinder nicht
Männer trinken mehr als Frauen
Alkohol trinkt man auf Partys nicht zum Frühstück

5 ungeschriebene Gesetze im Umgang mit Alkohol – unsere kulturellen Regeln

(1) Regelmäßig Alkohol zu trinken ist normal.

Nur 16% der Menschen trinken keinen Alkohol
Alkohol ist überall zu kaufen, für Jugendliche ist Alkohol das erste Suchtmittel

(2) Alkohol gehört dazu. Man fällt weniger auf, wenn man trinkt.

Die häufigsten Trinksituationen:

  • mit Freunden/beim Feiern – 85% der Bevölkerung meint, dass es zum guten Ton gehört für Gäste immer alkoholische Getränke parat zu haben
  • beim Fernsehen – die meisten Tätigkeiten beim Fernsehen sind Rauchen und Trinken. In jeder Stunde sieht der Zuschauer im Schnitt 9 Szenen mit Alkohol. Sportsendungen werden von den Werbespots der Alkoholindustrie umrahmt.
  • in Kneipen – kein Alkohol zu trinken immer noch die Ausnahme. Alkohol ist immer noch das billigste Getränk
  • bei Mahlzeiten – Beim Abendessen gehört Alkohol für 40% der Bevölkerung dazu, beim Mittagessen sind es 17%.
  • am Arbeitsplatz trinkt jeder 10. regelmäßig Alkohol

(3) Alkohol tut gut.

Ganz allgemein herrscht dem Alkohol gegenüber eine positive Einstellung. Alkohol wird als Lösungs- und Hilfsmittel angesehen: Beispielsweise ist die große Mehrheit der Bevölkerung der Meinung

… Alkohol bewirke, dass man sich in Gesellschaft wohler fühle
… Alkohol erleichtere den Kontakt mit Leuten, die man nicht kennt
… Alkohol sei eine angenehme Möglichkeit sich zu entspannen
… Alkohol stärke das Selbstverstrauen
… Alkohol mache humorvoller und einfallsreicher
… Alkohol helfe bei Niedergeschlagenheit und Depressionen
… Alkohol erleichtere das Ertragen starker Belastungen
… Alkohol erleichtere die sexuelle Annäherung
… Alkohol helfe beim Abschalten

(4) Trinke so viel wie Dein Nachbar – es gibt keine klaren Hinweise, was zu viel ist.

Folgende Trinkmuster sind weitverbreitet: Niveau-Trinken, Runden-Trinken, Flaterate-Trinken. Eine gleiche Trinkmenge stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und dient als Statussymbol.

(5) Alkoholtrinken ist Privatsache, da hat man sich nicht einzumischen.

Das ist eine gängige Meinung. Es wird für unangebracht gehalten, jemanden wegen seines Alkoholkonsums zu kritisieren. Häufig wird ein Arbeitskollege, der einen anderen wegen gefährlichen Alkoholkonsums meldet, anschließend als „Radfahrer“ geschnitten. Dagegen werden auffällige Kollegen oft lange von den Kollegen gedeckt und sogar in Suchtkliniken sind viele Patienten der Auffassung, dass man Rückfälle von anderen besser für sich behält.

Die Alkoholindustrie setzt angesichts zunehmender Einschränkungen gezielt auf Produktplacements in Filmen und im Sport (!) und vermittelt, dass Alkohol ein integraler und vor allem erstrebenwerter Bestandteil unseres Alltags ist. In Deutschland gibt die Alkoholindustrie jährlich ca. 540 Mio. Euro dafür aus.

Schlussfolgerung: Nichttrinken ist unnormal. Es fühlt sich an, wie gegen den Strom zu schwimmen. Der Nichttrinker gehört zu einer Minderheit. Dazu braucht es Mut, Überzeugung und vor allem die Einsicht, dass diese Regeln alle Unsinn sind und auf lange Sicht krankmachen. Wobei … diese Einsicht sollten auch Gelegenheitstrinker haben.
(Quelle: Lieber Schlau als Blau)

Weitere Links zum Thema

Lieber schlau als blau

Suchthilfe und Suchtprävention | soziales. hessen.de

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